Dienstag, 30. November 2010

Die 10 häufigsten Fehler bei Existenzgründungen


Aufgrund meiner bisherigen Tätigkeit in Wirtschaft und Beratung sind die relevanten Fehler wie folgt zu beobachten:

1.      Zu früher Gründungszeitpunkt


Es wird oft zu früh gegründet. Bei Gründung aus der Arbeitslosigkeit wird von Seiten der öffentlichen Stellen oder auch wegen der Fristen ungünstig beschleunigt. Gründungen, die von Unternehmensberatern begleitet werden, die sich selbst über das „Gründercoaching Deutschland“ der KfW finanzieren, werden häufig zu sehr vorangetrieben. Da Abrechnungen erst nach Gründung erfolgen können, ist das Motiv des U-Beraters bisweilen der Eigennutz, der über dem Kundeninteresse gestellt wird.

Da im Durchschnitt mit einer Vorlaufphase von ca. ½ Jahr zu rechnen ist, spricht jedoch nichts dagegen, zuerst nebenberuflich anzufangen und erst in die Vollgründung zu gehen, wenn die ersten Umsätze  in Sicht sind. Unter Berücksichtigung der Schädlichkeitsgrenzen ist diese Methode häufig sinnvoller. Ebenfalls kann ein zu früher Gründungszeitpunkt dazu führen, dass bestimmte Förderungen nicht mehr möglich sind. Erst wenn diese komplett geprüft sind und ggf. ein erstes Bankgespräch stattgefunden hat, sollte die Gründung stattfinden.

2.      Fehlende Finanzierung


Eine fehlende Finanzierung verurteilt häufig die Umsetzung der Geschäftsidee zum Scheitern. Bei der Beschaffung von Fremdkapital wird eine ganze Reihe von Fehlern gemacht. Als typisch wären zu nennen:

-          Wahl des falschen/wenig aussichtsreichen Kreditinstituts bzw. Kapitalgebers
-          schlechte Vorbereitung
-          falsche Ansprechpartner (z. B. Überspringen von Hierarchien)

3.      Ursachen in der/den Gründerpersonen


Hier gibt es ebenfalls eine Reihe von Möglichkeiten, die zu einem ungünstigen Ergebnis führen. Beispielhaft zu nennen wäre:

-          Selbstüberschätzung: wer glaubt alles zu wissen und alles zu können, nimmt sich selbst die Chance, dazu zu lernen.
-          Gegenteil -> fehlendes Selbstwertgefühl: ein gesundes Selbstbewusstsein und eine grundoptimistische Einstellung stärken die Motivation und das Durchhaltevermögen. Beides ist notwendig, wenn es mal zu Misserfolgen kommt.
-          Teamfähigkeit/Kooperationsbereitschaft: man agiert zwar selbstverantwortlich, was nicht heißen soll, dass Kooperationen nicht sinnvoll sein können. Einzelkämpfernaturen haben schlechtere Chancen als Teamworker.

4.      Ursachen im privaten Umfeld der/des Gründer/s


Nicht zu unterschätzen ist das private Umfeld. Wenn der Partner bzw. die Familie nicht mitzieht, sind die Chancen für eine erfolgreiche Umsetzung erheblich geringer. Die Familie und auch der Freundeskreis haben bei der Umsetzung einer Geschäftsidee mit Einbußen zu rechnen. Sei es in finanzieller Hinsicht, sei es im Freizeitbereich. Dies wird häufig unterschätzt und der Druck auf den Gründer nimmt zu. Hier gilt es, mit den betroffenen Personen offene Gespräche zu führen und auch auf die Nachteile der Selbständigkeit – insbesondere in der Anfangsphase – hinzuweisen.

5.      Ursachen im Management – das Dreigestirn


Häufig werden die Säulen eines Unternehmens nicht richtig eingeschätzt bzw. falsch gewichtet. Die Funktionen

I. Produkt/Dienstleistungs- Know-how
II. Vertrieb/Akquisition/Marketing
III. kaufmännischer Bereich

sind gleichermaßen zu bewerten und zu besetzen. Zeitweiliges Outsourcen kann sinnvoll sein. Alles in einer Person abzudecken funktioniert auf die Dauer in der Regel nicht.

6.      Unzureichende Kommunikation


Ebenfalls häufig im Management, jedoch auch im ganzen Unternehmen zwischen den Hierarchien anzutreffen ist eine ungenügende Kommunikation. Viele Gründungen scheitern im Ansatz, weil nicht dafür gesorgt wurde, dass alle Gründer des Teams zu jeder Zeit im Boot sind. Ständige Kommunikation ist notwendig, wenn aus der Idee ein Geschäft werden soll.

7.      Profilneurosen


Wer seinen eigenen Status über die Sache stellt, verschwendet Ressourcen. Ein häufiger Fehler, gerade im Management, ist, dass dem Schein mehr Bedeutung als dem Sein zugesprochen wird. Wer sich zu wichtig nimmt und dabei Sache und Ziel aus den Augen verliert, hat schlechtere Chancen. Zwar gehört Klappern zum Handwerk, es sollte jedoch nicht im Vordergrund stehen.

8.      Falsche Prioritäten


Wichtig ist es, sich immer wieder die Prioritäten vor Augen zu halten. An erster Stelle sollte die Existenzsicherung stehen. Das heißt, es ist jederzeit für ausreichende Liquidität zu sorgen. Wer nur arbeitet, aber nie abrechnet, ist zwar fleißig aber bald insolvent.

9.      Fehlerhaftes Controlling bzw. Selbstüberprüfung


Unter Controlling ist m E. nicht nur ein Zahlenwerk zu verstehen. Controlling heißt Steuerung. Die Grundschritte sind:

Ziel setzen – Meilensteine planen – Umsetzung planen – agieren – laufende Kontrolle, ob die geplanten Schritte auch erreicht wurden und ggf. nachbessern.

Häufig werden Ziele nicht klar ausformuliert, zu viel geplant, zu wenig umgesetzt und am Ende wundert man sich, dass man ganz woanders gelandet ist als ursprünglich vorgesehen.

10.  Kundeninteresse


In dieser Auflistung der letzte aber vielleicht wichtigeste Punkt ist das Kundeninteresse. Grund für ein Scheitern kann sein, dass man selbst zwar von seiner Idee überzeugt ist und diese sich vielleicht spontan nicht schlecht anhört, jedoch völlig am Kundennutzen und -wunsch vorbeigeht. Grundsatzfragen sollten immer sein:

  1. Braucht  und/oder wünscht der Kunde mein Produkt bzw. meine Dienstleistung?
  2. Ist mein Kunde bereit dafür auch Geld in die Hand zu nehmen?

Unterpunkt 1 ist vielleicht noch zutreffend. Unterpunkt 2 wird oft vergessen. Es gibt viele geniale Ideen, aber lassen sie sich wirklich auch verkaufen? Wenn diese Fragen von vorn herein selbstkritisch gestellt werden, erhöhen sich die Chancen des Gründers erheblich.

Freitag, 15. Oktober 2010

Trendwende bei Kreditzugang

13.10.2010 Pressemeldung KfW Bank:  Trendwende bei Kreditzugang Unternehmensfinanzierung entspannt sich – Investitionspläne werden umgesetzt – Probleme beim Zugang zu Kreditversicherungen sind geringer. Lage bei den Investitionskrediten und kurzfristigen Krediten, Finanzierung (12/2009 – 08/2010) – Blitzumfrage KfW Bank * Zugang zu den Investitionskrediten ist nicht mehr schwieriger geworden, im Dezember 2009 erklärten das noch 44% der befragten Unternehmen. Für 56% ist es gleich geblieben * Im August 2010 erklärten sogar 17% das es leichter geworden ist Investitionskredite zu erhalten, für 83% hat sich die Lage weder verbessert noch verschlechtert * Zugang zu kurzfristigen Krediten beurteilten im Dezember 2009 noch 31% als schwierig, das der Zugang leichter war erklärte zu diesem Zeitpunkt niemand * Im August 2010 verbesserte sich auch bei den kurzfristigen Krediten die Lage und immerhin 8% erklärten eine Verbesserung. Für 92% blieben die Bedingungen gleich, aber niemand stufte den Zugang als schwieriger ein Der Optimismus in der Wirtschaft ist zurückgekehrt und damit stufen alle Unternehmen die Möglichkeiten der Unternehmensfinanzierung als positiv ein. Investitionspläne werden im Zuge dieser Bewertung umgesetzt, nur vereinzelt wird vonKürzungen oder Streichungen bei Investitionen berichtet. Als Problematisch bleibt bei Existenzgründern und Unternehmen im Bereich der Finanzierung die Bereitstellung von Sicherheiten für Kredite. Auch die Sicherheiten von bestehenden Krediten werden dabei geprüft und neu bewertet. Probleme bei der Unternehmensfinanzierung durch eine verstärkte Kreditnachfrage bedingt durch den wirtschaftlichen Aufschwung werden derzeit nicht befürchtet. Der Chefvolkswirt der KfW Bank, Dr. Norbert Irsch zur Finanzierung von Unternehmen: “Eine vollständige Entwarnung in der Unternehmensfinanzierung wäre verfrüht, aber insgesamt sprechen alle Anzeichen dafür, dass von einer ausreichenden allgemeinen Kreditversorgung der Unternehmen ausgegangen werden kann. Eine flächendeckende Kreditklemme ist unwahrscheinlich geworden.”
Gesehen unter: Trendwende bei Kreditzugang KfW Bank News